Wie ich mich durch den E-Sport weiterentwickelt habe

Das Logo der ESL

Meine ersten Gehversuche im Netz, habe ich durch den sogenannten E-Sport gemacht. Das war damals eine spannende Zeit, da ich das erste Mal über das Internet Kontakt zu anderen Leuten geknüpft habe.

Die Erfahrungen und Eindrücke, die ich damals gesammelt habe und die dazu beigetragen haben, dass ich heute aktiv im Netz bin, möchte ich mit dir teilen.

Der erste Clan mit Freunden

Begonnen hat damals alles damit, dass meine Freunde und ich total begeistert und intensiv ein Spiel spielten: Call of Duty 4: Modern Warfare. Wir suchten nach einer Möglichkeit als Team gegen andere anzutreten und stießen bei der Suche im Internet auf die ESL.

Wir registrierten uns auf der Webseite der ESL und gründeten einen Clan, – vergleichbar mit Gilden aus MMOs – um unser Team an der entsprechenden Liga anzumelden. Unser Clan hatte sogar eine Webseite, die ein Freund und ich erstellt hatten.

Nach einigen Wochen merkten wir aber, dass in den Ligen und Turnieren nichts für uns zu holen war. Wir schafften es auch nicht, aus den Fehlern zu lernen und uns weiter zu entwickeln. Also trennten sich unsere Wege. Zum Glück nur in der ESL.

Die ersten eigenen Schritte

Wie damals üblich, erstellte ich daraufhin einen »Spieler sucht Clan« Thread im Call of Duty 4 Forum der ESL. Dort kamen dann Daten wie Alter, Skill Level und Spielweise rein.

Einfach war dieser Schritt für mich nicht, da ich sehr schüchtern war und es mir schwer viel, mit neuen Leuten Kontakte zu knüpfen. Allerdings wollte ich unbedingt weiterhin in der ESL aktiv sein und spielen. Also führte an der Suche nach einem neuen Team kein Weg vorbei.

Die ersten Probespiele mit neuen Teams, die Interesse an mir hatten, liefen nicht besonders gut. Wenn man aufgeregt ist, ist es schwer in einem Ego-Shooter gut zu spielen, da die Hand, mit der man die Maus bedient, nicht allzu ruhig ist.

Ich hatte dann aber das Glück, von jemanden via XFire angeschrieben zu werden, der einen sehr ruhigen und freundlichen Eindruck machte. Wir redeten ein wenig im TeamSpeak und ich spielte zusammen mit den anderen Mitgliedern des Teams ein paar Matches. Das lief deutlich besser, da ich vor den Spielen erst einmal ein Gefühl dafür bekommen konnte, mit wem ich mich da unterhalte und wie dieser Mensch tickt. Trotz eines Ping von 120, – ich wohnte auf dem Dorf und hatte eine UMTS Verbindung – konnte ich das Team überzeugen.

Es stellte sich schnell heraus, dass die Mitglieder alle sehr freundlich waren und einen lockeren Umgang miteinander pflegten. Etwas, was damals in E-Sport Teams mit Ambitionen, nicht unbedingt üblich war.

Um so mehr Spiele wir spielten, um so besser verstanden wir uns und fingen an, uns auch privat besser kennenzulernen. Auch mit anderen Leuten aus dem Clan, die nicht Teil des CoD4 Teams waren, knüpfte ich Kontakte. Darunter auch der Clan Leader.

Eigeninitiative

Damals war ich im ersten Lehrjahr meiner schulischen Ausbildung und irgendwann war die Zeit gekommen, wo mein erstes Praktikum begann. Durch das Praktikum hatte ich nicht mehr wirklich die Zeit, um im Team aktiv zu spielen. Dennoch wollte ich den Clan weiterhin unterstützen und helfen.

Nach ein paar Gesprächen mit dem Clan Leader übernahm ich ein paar organisatorische und redaktionelle Aufgaben. Das machte mir großen Spaß und war eigentlich das erste Mal, dass ich mich privat aus eigenem Antrieb für etwas engagierte, dass nichts mit Sport zu tun hatte.

Die Gründe dafür waren einfach: Mit der Zeit war mir der Clan, mit seinen ganzen Mitgliedern, die alle sehr unterschiedlich waren und aus allen Teilen Deutschlands kamen, an’s Herz gewachsen. Ich wollte weiterhin Teil dieser tollen Gemeinschaft sein und ihnen bei ihren Aufgaben helfen. Ich wollte weiterhin Kontakt mit ihnen halten, an ihren Leben teilhaben und mich mit ihnen austauschen.

Das ist übrigens auch etwas, dass viele außenstehende nicht verstehen. Während dieser ganzen Zeit, sitzt du nicht einfach stupide viele Stunden am Computer und spielst Spiele. Du knüpft Kontakte. Du unterhältst dich über alles mögliche und hast Einblicke in die unterschiedlichsten Leben, Meinungen und Erfahrungen. Du organisiert und plant. Du lernst viel neues und interessantes kennen. Es ist so viel mehr, als einfach nur Computerspielen.

ESL Website im Jahr 2011Die Webseite der ESL im Jahr 2011

Vom Spieler zum Organisator

Irgendwann erreichte – wie so viele damals – aber auch dieser Clan einen Punkt, wo es nicht mehr passte und er sich auflöste. Die einzelnen Mitglieder versprengten sich. Manche hörten mit dem E-Sport auf, andere machten woanders weiter. Ich gehörte damals zu den Letzteren.

Durch die positive Erfahrung, mit meinen ehemaligen Clan Kollegen und durch die Aufgaben, denen ich erfolgreich nachgegangen war, fiel mir eine erneute Suche nach einem neuen Clan relativ leicht. Ich hatte gemerkt, wie toll es ist, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein. Wie es ist, für Erfolge und gute Arbeit, sich auch einen gewissen Respekt erarbeitet zu haben und etwas zu leisten, worauf ich stolz sein konnte.

Mir wurde außerdem klar, dass ich viel lieber im organisatorischen Bereich weiter arbeiten möchte. Also machte ich erneut einen Foren Thread auf, der dieses Mal den Titel »Manager sucht Team« trug.

Es mag lächerlich klingen. Team Manager in so etwas unbedeutenden wie E-Sport? Aber tatsächlich fand ich die Idee, einem Team zu helfen, in dem ich alle organisatorischen Aufgaben übernahm, damit sich die Spieler nur auf das Spielen konzentrieren konnten, recht reizvoll.

Tatsächlich meldete sich relativ schnell ein Clan Leader bei mir, der einen Team Manager für sein Call of Duty 4 Team suchte. Ich stellte mich bei den Jungs vor und erklärte ihnen, wie ich ihnen weiterhelfen wollte, was für Aufgaben ich übernehmen würde und fragte sie nach ihrer Meinung. Relativ schnell merkte ich, dass es sich um eine lustige Truppe handelte, die auch schon eine ganze Weile zusammen spielte. Das war genau das, wonach ich gesucht hatte.

Ich meldete die Jungs bei Turnieren an, organisierte Duelle mit anderen Teams, diskutierte mit dem Admins der ESL über mögliche Regelverstöße bei Matches und veröffentlichte auf der Clan Webseite News zum Team. Gelegentlich spielte ich auch als Backup mit, wenn ein Spieler aus zeitlichen Gründen nicht konnte.

Das alles war für mich die perfekte Mischung. Das Gute war außerdem, dass ich das alles mit meiner Ausbildung und Freizeit vereinbaren konnte, da ich zu festgelegten Matches selbst nicht zwingend anwesend sein musste.

Positiv war auch, dass meine Teamkollegen relativ schnell merkten, dass ich ihnen Arbeit abnahm und das auch zu schätzen wussten. Und so war es für mich als Manager genauso ein Erfolg, wenn das Team gewann, wie für die Spieler.

Aber auch dieses Kapitel im Buch E-Sport fand irgendwann ein Ende. Leider eines von der unschönen Sorte, was dann dazu führte, dass ich das Thema überdachte.

Vom Organisator zum Redakteur

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mit dem Bloggen angefangen und konnte mein schriftliches Deutsch immer weiter verbessern. Also entschloss ich mich, meinen letzten Anlauf im E-Sport als Redakteur zu nehmen.

Ich bewarb mich bei LeiSuRe, einem Clan, der auch heute noch eine feste Größe und aktuell vor allem durch sein CS:GO Team bekannt ist. Dort wurde ich nach ein paar Probeartikeln angenommen. Ich schrieb größtenteils über kommende und beendete Matches der unterschiedlichen Teams.

Zum krönenden Abschluss wurde ich dann Redakteur bei mousesports. mousesports ist wohl der erfolgreichste Clan Deutschlands und es war seit jeher mein Wunsch, einmal Teil dieses Clans zu sein. Wenn auch nur als Redakteur, hatte ich das geschafft.

Bei mousesports endete dann auch meine aktive Zeit im E-Sport.

Schlusswort

Ich denke, dass meine Jahre in der ESL viel positives zu meiner heutigen Persönlichkeit beigetragen haben und mich vieles gelehrt haben. Ich konnte mich in dieser Zeit durch spannende Aufgaben und tolle Menschen weiterentwickeln und auch ausleben.

Außerdem glaube ich, dass gerade die organisatorischen Aufgaben und das Miteinander, mir heute noch im Berufsleben helfen.

Die Wörter »Clan«, »Spieler«, »Matches« usw. kannst du auch durch andere Worte ersetzen. Alles was ich geschrieben habe, kann auf das Berufsleben, Klubaktivitäten oder andere Bereiche des Lebens übertragen werden. Es war mir aber wichtig zu zeigen, dass gerade so etwas untypisches wie der E-Sport fähig ist, zur persönlichen Weiterentwicklung beizutragen.

Kommentare

Niar sagt:

Du hast wirklich ein großes Stück des E-Sport-Welt-Kuchens (Ich liebe die, in der deutschen Sprache legitime Aneinanderreihung von Hauptwörtern ;) ) nicht nur abbekommen, sondern sogar durch eigenen Antrieb gebacken.

Im Gegensatz zu dir habe ich tatsächlich die Welt des E-Sports allein aus Spielerperspektive wahrgenommen (obligatorische „Leader sucht Spieler“-Topics mal ausgenommen). Ich bin bei einem Satz deines Eintrags hängen geblieben. „Während dieser ganzen Zeit, sitzt du nicht einfach stupide viele Stunden am Computer und spielst Spiele.“ Ich glaube über die Hälfte meiner Zeit war nicht das Spielen selbst, sondern der Austausch mit meinen Teamkollegen, auf Clan- oder gar Turnierebene (vor allem der ESL) über Gott, die Welt und das derzeitige Spiel natürlich.

Dieses ständige Aufeinandertreffen mit neuen Personen, Überwinden neuer Herausforderungen, Diskutieren etc. hilft in wunderbarer Weise auch eigene Interessen neu zu entdecken und, wie vor allem bei dir, sich neuer Interessen wie Schreiben oder Organisieren bewusst zu werden.
Vor Allem aber bringt es einem in Jungen Jahren schon einen großen Teil an Selbstständigkeit bei, denn niemand hilft dir dich in dieser Welt durchzusetzen, oder deinen Stempel zu hinterlassen, sofern du dich nicht selbst gut verkaufst und einsetzt (Die durchschnittlichen Eltern wollen ihrem computerzockenden Kind dabei nicht unbedingt helfen, von „können“ gar keine Rede ;) und das ist auch gut so :) ).

Und natürlich: Freundschaften, welche man sonst aller Wahrscheinlichkeit nach nie hätte knüpfen können.

Twaldigas sagt:

@Niar
Vielen Dank für deinen Kommentar, der einen kleinen Einblick gibt, wie du deine E-Sport Zeit erlebt hast.

Das mit der Selbständigkeit ist ein wirklich guter Punkt, den ich so explizit nicht genannt habe. Wenn du im E-Sport auch nur irgendetwas erreichen willst, dann muss das von dir kommen. Von alleine passiert da absolut nichts. Wobei du mit der Zeit auch Menschen begegnest, die dich bei deinen Vorhaben Unterstützen.

Sasumotu sagt:

Netten Werdegang, den du da hinter dir hast. Da kann ich mir schon vorstellen, dass man dabei einiges an Erfahrungen gewonnen hat. Ich selber bin nicht so der E-Sport Fan und verfolge da rund herum absolut gar nichts. Lag einfach nie in meinem Interessenbereich.

Das, wenn man sich aber überwindet, interessante Menschen online treffen kann und sich daraus auch sehr lange Freundschaften entwickeln können, kann ich aber auch aus anderen Bereichen nur bestätigen.

Twaldigas sagt:

@Sasumotu
Es freut mich, dass auch du anscheinend positive Erfahrungen in Sachen Freundschaft und Internet machen konntest.

Ja, E-Sport ist sicherlich nicht für jeden etwas. Wobei er sich in den letzten Jahren auch stark verändert hat. Vielleicht wäre es anders, wenn du dich vor acht Jahren damit beschäftigt hättest. Vielleicht aber auch nicht. :D

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