Review – Kimi no na wa.

  • Am 5. August 2017 in Anime
  • 3 Kommentare
Bild aus Kimi no na wa, in dem Mitsuha und Taki Rücken an Rücken in den blauen Himmel schauen.

Ein Jahr nach Release konnte auch ich endlich den mittlerweile erfolgreichsten Anime aller Zeiten schauen und mir somit einen Eindruck von Makoto Shinkais neustem Werk, Kimi no na wa. (Your name.) machen. Ich bin ein großer Freund seiner Filme und war sehr gespannt, was nach Kotonoha no Niwa (The Garden of Words) nun wohl kommen würde.

Geschaut habe ich die japanische Blu-ray Fassung mit englischen Untertiteln, welche vor kurzem erschienen ist. Zum Zeitpunkt der Bestellung gab es noch keine Informationen über die Lizenz im deutschsprachigen Raum. Bis auf ein anreißen der Geschichte werde ich versuchen jegliche Spoiler zu vermeiden.

Gegensätze und vertauschte Körper

In dem 106 Minuten langen Film geht es um die Schülerin Mitsuha Miyamizu und den Schüler Taki Tachibana. Mitsuha lebt mit ihrer Schwester und Großmutter auf dem Land und geht zur Schule. Mit ihren 17 Jahren hat sie genug vom ruhigen Landleben, wo sich jeder kennt. Sie würde viel lieber in einer großen Stadt wie Tokio leben und das aktuelle endlich hinter sich lassen. Der ebenfalls 17 Jahre alte Taki lebt wiederum in der Metropole Tokio und geht dort an eine Schule für Architektur. Um sich ein Leben in der Stadt leisten zu können, arbeitet er außerdem regelmäßig als Kellner.

Mitsuha und Taki kennen sich nicht, träumen gelegentlich aber davon, wie sie für einen Tag im Körper des jeweils anderen stecken. Für beide sind diese Träume unglaublich intensiv und fühlen sich sehr echt an. Nach kurzer Zeit merken beide durch Gespräche und Kommentare ihrer Freunde, dass es sich dabei gar nicht um Träume handelt, sondern sie tatsächlich regelmäßig ihre Körper tauschen. Daraufhin müssen beide Versuchen mit diesem Phänomen umzugehen und ihre jeweiligen Leben nicht zu sehr außer Kontrolle geraten zu lassen. Auch werden beide noch erfahren, was es mit dem Körpertausch auf sich hat.

Liebe für Details

Kimi no na wa. schafft es durch viele kleine Details eindrucksvoll darzustellen, dass die Charaktere im jeweils anderen Körper stecken. Nicht nur durch offensichtliche Dinge wie das Verhalten, die Körperhaltung oder die Tatsache, dass beide das Umfeld des jeweils anderen nicht kennen. Wenn Mitsuha im Körper von Taki mit seinen kurzen Haaren herum spielt, weil sie ihre langen Haare gewohnt ist oder über sich in der weiblichen Form spricht (Im Japanischen gibt es je nach Geschlecht unterschiedliche Wörter.), dann kommt das sehr glaubhaft herüber.

Aber nicht nur beim Verhalten der Charaktere wurde auf Details geachtet. Wenn du die vorherigen Werke von Makoto Shinkai kennst, dürfte es dich nicht überraschen, dass auch dieser Film optisch einfach nur eine Wucht ist. Die Hintergründe strotzen wieder nur so vor kleinen Details. Selbst bei Szenen, die nur für wenige Sekunden oder einen Augenblick zu sehen sind, wurde nicht an Qualität gespart. Die Aufnahmen der Großstadt Tokio sind Atemberaubend. Aber selbst die Aufnahmen der kleinen Stadt, in der Mitsuha lebt, sind mit der Wäldern, Bergen und dem See einfach wundervoll anzusehen. Beides zeigt auch wunderbar, wie sich die Leben von Taki und Mitsuha unterscheiden.

Die Liebe für das Detail bei Optik und Inhalt, zieht sich auch bis hin zum Soundtrack durch. Die gespielte Musik in Kimi no na wa. unterstreicht die Szenen nicht nur, sie ist im nahezu perfekten Einklang dazu. Der Soundtrack passt so gut zu den Szenen, Bewegungen und Schnitten, das alles zusammen ein unglaublich starkes Bild abgibt und die Szenen und ihre Gefühle super transportiert.

Am Soundtrack überrascht hat mich, dass es gelegentlich auch in eine rockige Richtung mit E-Gitarre und Schlagzeug geht. Das hätte ich aufgrund der vorherigen Filme von Shinkai und den Themen des Films nicht erwartet. Gepasst hat es trotzdem, wenn auch nicht unbedingt immer perfekt.

Mehrere Fäden, viel Gefühl und kulturelle Einblicke

Aber welche Gefühle transportiert der Film an seine Zuschauer eigentlich? Nun, die Palette ist relativ groß. Beim Schauen von Kimi no na wa. habe ich viel gelacht, war gespannt und natürlich auch traurig. Die Gefühle und Sehnsüchte von Mitsuha und Taki kommen sehr gut herüber. Außerdem machen beide Charaktere eine gewisse Entwicklung durch, welche gut nachvollzogen werden kann und schlüssig erscheint. Selbst die meisten Nebencharaktere erscheinen sinnvoll und tragen ihren Teil zur Geschichte und Entwicklung bei.

Durch die Geschichte zieht sich schon fast wortwörtlich ein roter Faden. Dennoch entstehen beim Schauen immer wieder lose Enden, die erst im Laufe der Geschehnisse verknüpft werden. So gibt es diverse Szenen, welche einem beim ersten Mal sehen nicht wirklich schlüssig erscheinen. Diese zuerst wirr wirkenden Szenen werden im Laufe des Films fast alle aufgelöst und bekommen so mit der Zeit ihren Sinn. Als Zuschauer hatte ich die ganze Zeit schon so viel vor Augen, konnte es bis zum entscheidenden Moment aber nicht richtig deuten. Wenn sich dann alles zusammenfügt, erzeugt das unglaublich starke Gefühle. Großartig!

Der ganze Film baut sich auf und steuert auf einen Plot Twist, der mich unglaublich stark getroffen und überrascht hat. Ab diesem Twist wird in den Szenen auch mit ganzen anderen Farben gearbeitet, was die Kehrtwende noch einmal verstärkt darstellt und die Gefühle der Charaktere gut herüber bringt.

Auch abseits der Geschichte wirft Kimi no na wa. immer wieder interessante Fragen auf und gibt Einblicke in die japanische Kultur und Lebensweise. Wenn du dich mit Japan und der dortigen Kultur schon beschäftigt hast, wirst du an diesem Film definitiv mehr Freude haben und mehr in seinen Szenen erkennen, als wenn du dies noch nicht getan hast. Der Film schneidet aber auch Themen an, die außerhalb von Japan relevant sind. Zum Beispiel die stetig abnehmende Anzahl an Menschen auf dem Land oder der Verlust von Traditionen und alten Wissen, welches durch die Moderne an Wichtigkeit zu verlieren scheint.

Schwächen die zu verzeihen sind

Auch wenn die weltweiten Bewertungen und Kritiken den Eindruck schaffen, dass Kimi no na wa. perfekt ist, stimmt das natürlich nicht. Auch dieser Film hat seine Schwächen. Nicht alles im Bezug auf die Körpertausch-Problematik und den Plot Twist ist nachvollziehbar. Aber welcher Film schafft es schon, das Handeln seiner Charaktere immer komplett nachvollziehbar erscheinen zu lassen, ohne gewisse logische Fehler zu enthalten? Wenn in einem Film die Körpertausch-Problematik verwendet wird und trotzdem eine interessante Story erzählt werden soll, lassen sich gewisse Fehler nicht vermeiden. Trotz der Fehler bin ich aber überrascht davon, dass Shinkai sich dieses Mittels bedient und er hat gezeigt, was vielen Anime nicht gelungen ist: Mit dieser Problematik können gefühlvolle und interessante Geschichten erzählt werden.

Außerdem ist die Zugänglichkeit gewisser Themen nicht für alle Zuschauer gegeben. Während einige das als Schwäche auslegen, finde ich das positiv. Der Film stammt aus Japan und darf sich mit dort relevanten Themen gerne beschäftigen. Ein Film muss nicht zwingend komplett auf ein weltweites Publikum ausgelegt sein, um ein Meisterwerk zu sein. Ich rechne es ihm hoch an, dass er sich Zeit für diese Dinge nimmt und denke dass das auch einen Teil seines Charmes ausmacht.

Ich persönlich fand es außerdem schade, dass die Hintergrundgeschichte von Taki nicht so sehr beleuchtet wurde wie die von Mitsuha und er daher ein wenig blasser war. Andererseits würde diese auch nichts zur Story beitragen. Von daher ist es wohl eher mein persönliches empfinden.

Schlusswort

Shinkais vorherige Werke Kotonoha no Niwa (The Garden of Words) und Hoshi wo Ou Kodomo (Children Who Chase Lost Voices) waren Filme, die ich gut fand, mich aber nie so begeistern und berühren konnten wie seine vorherigen. Kimi no na wa. hat genau das nun endlich wieder geschafft und das auf eine noch stärkere Art und Weise als Byousoku 5 Centimeter (5 Centimeter Per Second) und Kumo no Mukou, Yakusoku no Basho (The Place Promised in Our Early Days). Noch einmal intensiver. Tatsächlich lässt sich auch vieles aus diesen Filmen wiederfinden – optisch und thematisch. Und so würde ich sagen, dass Kimi no na wa. wohl das Ergebnis aller vorherigen Werke Shinkais ist.

Kimi no na wa. hat mich so sehr begeistert wie schon lange kein Anime mehr. Ich wurde trotz hoher Erwartungen nicht enttäuscht. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass ich jegliche Trailer und Reviews bis zum Schauen gemieden habe. Ich wusste lediglich, dass die Körpertausch-Problematik existiert. Die Geschichte, die Charaktere, der Soundtrack und die Optik harmonieren über die gesamte Länge super miteinander. Der Film nimmt sich genug Zeit, um alles aufzubauen. Er hat einen Plot Twist, der mich umgehauen und ein Ende, welches mich voller Gefühle zurückgelassen hat. Für mich gehört Kimi no na wa. definitiv zu den tollsten Erfahrungen im Bereich Anime, die ich machten durfte.

Es gibt noch viel mehr über das ich gerne schreiben und herausheben würde. Diese Inhalte würden aber spoilern und genau das möchte ich innerhalb dieser Review vermeiden.

Kommentare

Sasumotu sagt:

Gut geschriebenes Review. Hat mich dazu gebracht den Film nun auch endlich mal zu schauen. Hatte ihn auch schon eine Zeit hier herum liegen, aber konnte mich irgendwie nicht dazu aufraffen ihn zu sehen. Ich hatte Anfangs ein bisschen meine Zweifel, ob der Film dem doch recht prominenten Hype um ihn gerecht werden kann. Was die Inszenierung angeht, so kann man dem Film wirklich kaum etwas negatives andichten. Vor allem die Hintergründe sind mal wieder für Shinkai typisch absolut gut geworden. Auch sein Faible für Regen und Spiegelungen auf nassem Boden gab es hier wieder zu bewundern. Es sieht einfach immer wieder gut aus.

Was die Handlung angeht, so hat mich der Film nicht ganz überzeugt. Ich muss sagen, den Twist habe ich nicht kommen sehen, aber ab dem Punkt wurde es doch recht vorhersehbar. Vor dem Twist gab es immer wieder kleine Überraschungen, auch beim Verhalten der Charaktere. Ab dem Twist wurde aber alles doch recht gradlinig und man konnte sich den Rest des Films bereits ausmalen. Im Vergleich zum Rest des Films war auch das Ende dann etwas schwach auf der Brust. Hier ging es mir dann zum einen alles ein bisschen zu schnell und zum anderen fand ich das Ende dann sogar ein bisschen zu emotionslos für den den Weg, der bis zu dem Punkt beschritten wurde.

Alles in allem ein guter Film der durchaus empfehlenswert ist. Mehr als „Gut“ ist er dann meiner Meinung nach auch nicht. Ein Meisterwerk würde ich ihn nicht nennen.

Twaldigas sagt:

@Sasumotu

Ich hatte Anfangs ein bisschen meine Zweifel, ob der Film dem doch recht prominenten Hype um ihn gerecht werden kann.

Ich denke, dass dieser Hype leider viel zu hohe Erwartungen an einen wirklich guten Film weckt und einige Leute dadurch wesentlich enttäuschter davon sind, als sie sein könnten.

Ab dem Twist wurde aber alles doch recht gradlinig und man konnte sich den Rest des Films bereits ausmalen.

Wenn der Film von jemand anderen gewesen wäre, als von Shinkai, würde ich dir hier recht geben und mir wäre es vielleicht auch so gegangen. Da Shinkai aber nicht gerade für konventionelle Enden bekannt ist, war ich mir bei diesem Ende nie sicher, was passieren wird.

Im Vergleich zum Rest des Films war auch das Ende dann etwas schwach auf der Brust. Hier ging es mir dann zum einen alles ein bisschen zu schnell und zum anderen fand ich das Ende dann sogar ein bisschen zu emotionslos für den den Weg, der bis zu dem Punkt beschritten wurde.

Bezüglich der Geschwindigkeit gebe ich dir recht. Mich hat die letzte Szene im Film dann aber doch ziemlich berühret, weil es ein langer und beschwerlicher Weg bis dahin war. Ich denke eben dieser Weg stand im Fokus des Films, weshalb des Ende dann auch vielleicht so schnell vorbei ging und nicht noch mehr gezeigt hat.

Ein Meisterwerk würde ich ihn nicht nennen.

Auch wenn ich das Wort »Meisterwerk« in der Review benutzt habe, bezieht sich das nicht unbedingt auf den Film. Ich frage mich aber, welcher Anime diese Bezeichnung sonst verdient hätte.

Insgesamt muss ich auch zugeben, dass mir durchaus eine gewisse Objektivität fehlt. Dafür bin ich zu sehr Fan von Shinkais Werken.

Sasumotu sagt:

Ich denke, dass dieser Hype leider viel zu hohe Erwartungen an einen wirklich guten Film weckt und einige Leute dadurch wesentlich enttäuschter davon sind, als sie sein könnten.

Es ist ja hier wirklich mal nicht nur der Hype. Der Film hat ja erwiesenermaßen wirklich Geld ohne Ende an den Kinokassen eingespielt. Daher ist die hohe Erwartungshaltung schon irgendwie berechtigt. Und er ist ja auch gut. Was die Animationen angeht hat er die Erwartungen auch wirklich komplett erfüllt.

Mich hat die letzte Szene im Film dann aber doch ziemlich berühret, weil es ein langer und beschwerlicher Weg bis dahin war.

Und das ist auch gerade mein Problem mit der Szene: Gerade weil es so ein langer und harter Weg war, war die Szene viel zu simpel. Ein viel zu einfacher Abschluss für das Ganze und dann auch noch mit zu wenig Emotionen für diesen Weg. Da hätte wirklich mehr sein müssen. Das hier das Ziel eigentlich der Weg war, sehe ich auch so. Aber das ist kein Grund das Ende so zu vernachlässigen.

Auch wenn ich das Wort »Meisterwerk« in der Review benutzt habe, bezieht sich das nicht unbedingt auf den Film. Ich frage mich aber, welcher Anime diese Bezeichnung sonst verdient hätte.

Ich glaube den Titel „Meisterwerk“ kann man objektiv gar nicht vergeben. Bei der Bewertung steckt immer etwas subjektives drin, vor allem da man für Filme keine konkreten Maßstäbe festlegen kann. Es gibt ja nichts wirklich messbares außer der Länge, die Lautstärke, etc. Aber das ist an sich schon wieder ein ganz eigenes Thema.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.